Der Begriff „digitale Souveränität“ ist aus dem politischen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Man ist sich über Parteigrenzen hinweg einig: Digital souverän sein, das ist erstrebenswert und wichtig. Dabei bleibt aber unklar, was es eigentlich genau bedeutet, digital souverän zu sein und wie man diesen wünschenswerten Zustand erreicht. Fast jede digitalpolitische Maßnahme ließe sich heute mit dem Ziel der digitalen Souveränität rechtfertigen und rhetorisch aufpolieren. Trotzdem ist digitale Souveränität mehr als ein bedeutungsleeres Schmuckwort. Sie verdeutlicht die politischen Dimensionen digitaler Infrastrukturen und verweist auf Handlungsspielräume, in denen wir unsere digitale Zukunft selbstbestimmt mitgestalten können. Um digitale Souveränität in ihrer ganzen Bandbreite zu veranschaulichen, widmet sich dieser Kompaktüberblick drei zentralen Fragen.
Wir hinterfragen den politischen Diskurs um digitale Souveränität und finden Antworten auf die Frage, wer hier eigentlich worüber souverän werden soll. Im Anschluss stellen wir den geschichtlichen Bezug zur staatlichen Souveränität her, die zwar eine ähnlich bewegte Bedeutungsgeschichte hat, ansonsten aber mit digitaler Souveränität oft nicht mehr viel gemein hat.